| Glücksspiele
wurden bereits vor mehr als 4000 Jahren in
China beschrieben, später dann auch im
antiken Griechenland und in Rom zum
Zeitvertreib oder als Pausenfüller gespielt.
Kartenspiele an sich wurden unter anderem weit
vor der Zeitenwende in den Tiefen des
indischen Subkontinents erfunden. In Europa
wurden um 1600 die ersten 52-Karten-Decks
bekannt und in Frankreich sind um 1700 die Anfänge
des "Blackjack" als Abkömmlinge des
"chemin de fer" unter der
Bezeichnung "vingt-et-un"
aufgekommen. In den Vereinigten Staaten von
Amerika wurde das Spiel dann in den ersten
Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts
"twenty-and-one" genannt, aber auch
die Bezeichnungen "Van John"
(England) oder "Pontoon"
(Australien) sind überliefert. Der Name
"Blackjack" entstammt einer
Sonderregel, derzufolge demjenigen Spieler,
dessen erste zwei Karten aus Pik Bube und Pik
As bestanden, ein zusätzlicher Gewinn
zustand. Leider inzwischen Vergangenheit.
Interessanterweise
wurde das Glücksspiel beispielsweise im
US-Bundesstaat Nevada in der Mitte des 19
Jahrhunderts erst mühsam als legal
deklariert, um dann 1910 vorerst wieder
verboten zu werden. Den heutigen Status des
Spielerdorados errang der Staat erst wieder im
Jahre 1931. Nur ein weiterer Bundesstaat, nämlich
New Jersey, hat im Jahre 1978 mit Atlantic
City in den USA das Glücksspiel als legal
erklärt, abgesehen von einigen autonomen
Enklaven amerikanischer Ureinwohner (sog.
"Indianer-Reservate"), den
Misissippi-Dampfern und einigen anderen
"speziellen" Orten.
Heutzutage ist das
Blackjackspiel in der Karibik, in Europa,
Asien und Australien weit verbreitet, hat in
den Spielbanken Deutschlands aber erst in den
1970'er Jahren richtig Fuß gefaßt.
In Deutschland konnte
man ab dem 18. Jahrhundert von einem Glücksspielbetrieb
sprechen, nachdem sich gezeigt hatte, daß die
lokalen Potentaten im kleinstaatlichen
Deutschland durch die Abgaben der Betreiber
eine willkommene Einnahmequelle dazugewannen.
Zu den frühen Spielbanken zählen Bad
Homburg, Bad Pyrmont, Wiesbaden und natürlich
Baden-Baden. All die "Ba(ä)d"er in
den Namen deuten an, daß der Glücksspielbetrieb
sich besonders in Kur- und Badeorten vollzog.
Das Ganze nahm mit dem Aufkommen des Roulette
und dem mondänen Flair, das dem Casinobetrieb
anhaftete, noch zu. Das allgemeine Mißtrauen
gegenüber Glücksspielen in Deutschland
hinterließ jedoch ab der Mitte des 19
Jahrhunderts mit der politischen Bewegung hin
zu einem vereinigten Deutschland seine Spuren
- die Gründerväter des zweiten Deutschen
Reiches sorgten schließlich 1872 unter
Bismarck für ein komplettes Verbot allen Glücksspiels.
Nach einem kurzen Intermezzo während der Zeit
des Nationalsozialismus, das durch den Krieg
in Deutschland beendet wurde, begann die
Spielerneuzeit in den Jahren 1948, 1949 und
1950 mit der (Wieder-)Eröffnung der
klassischen deutschen Spielbanken.
Zum Roulettespiel
gesellte sich Anfang der Siebziger Jahre auch
das Blackjackspiel, das - bis auf ein, zwei
Ausnahmen - in allen bundesdeutschen
Spielbanken angeboten wurde. Stets wurden die
Karten aus einem Kartenschlitten gezogen, in
dem sich die Karten von 4, 5 oder 6 Decks zu
je 52 Karten befanden - im Gegensatz zu der
Handhabung in den USA, wo es immer auch
Blackjacktische gibt, an denen die Karten aus
nur einem Deck aus der Hand des Dealers
gezogen werden. Allmählich wuchs die Zahl der
Spielbanken in den achtziger Jahren auf
ungefähr 25 an. Die niedrigen Minimaleinsätze,
gemessen an dem Durchschnittsverdienst des am
Wirtschaftsaufschwung teilnehmenden
bundesdeutschen Arbeitnehmers, trugen mit zu
einer weiteren Verbreitung des Glücksspiels
bei und damit zu einer fast schon
explosionsartig zunehmenden Anzahl von Casinos
auf ca. 50 (ohne reine Automatensäle) bis zum
Jahre 2001 - weitere Konzessionen sind
beantragt oder vergeben, neue Casinos befinden
sich im Bau. Der Charakter des mondänen
"großen Spiels" ändert sich, es
gibt mehr und mehr Automaten, der
Krawattenzwang fällt immer häufiger weg, und
Rahmenprogramme mit und ohne Verkleidungen,
Lifedarbietungen und Turniere aller Art
lockern den Spielbetrieb mehr und mehr auf -
das gewöhnliche Volk soll Einzug halten und
sein Geld hinterlassen.
Derzeit werden in den
Spielbanken im Blackjack vermehrt
elektromechanische Mischmaschinen eingesetzt,
welche die als zu zeitaufwendig (und damit
umsatzschädigend) aufgefaßten Mischpausen
nach Ende des Durchlaufs eines
Kartenschlittens überflüssig machen.
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